Inspiriert von Oscar Wilde und Aubrey Beardsley, Musik: Dmitry Romanov, Idee: Anastasia Fischer Choreographie: Dmitry Katunin
Das Stück verpflichtet sich der abstrahierten tänzerischen Bewegung, die sich von musikalischen, hierzu komponierten Motiven wie auch von der Gestaltung der Kostüme leiten lässt. Deren Auffassung ist großflächig gedacht: Das Männerkostüm beschreibt Wandflächen als Spielgrenzen ebenso wie das Himmelszelt. Der Tänzer hält den Mond spielerisch wie ein Atlas seinen Erdball als einen Spielball unter den Gestirnen. Seine angelegte Rollenvielfalt wird um eine Puppe ergänzt, die wie an einem Maskenbaum am Rand der Szene platziert ist. Das Schwarzweiß des Tänzerkostüms bestimmt die doppelte [Wahrnehmbarkeit] der Gestalt von vorn und hinten, aber auch vom illustrativem Rollenwechsel bis hin zum Szenenwechsel innerhalb der sehr ruhigen, gut phrasierten, eingesprochenen Erzählung. Seine Bewegungen sind eher klassisch der Moderne verpflichtet, fangen in diesem Kanon auch Posen der griechischen Vasenklassik ein.
Die Tänzerin im Frauenkostüm konzentriert sich nur auf die Figur der Salome. Sie erhebt sich innerhalb ihres Kostüms, das sich über einer viereckigen Basisfläche herauswölben kann und ist damit irdisch begrenzt. Das bestimmt ihr Bewegungsrepertoire deutlich mehr und führt zu neuen, der Situation verpflichteten Bewegungsformeln. Gleichermaßen in Schwarzweiß angelegt, greift ihr Kostüm die Stilsprache des Salome-Illustrators Aubrey Beardsley auf. Ihre Figur erwächst aus dem in der Fläche verankerten Stoff in traumhafter Schönheit. Sie drückt sich hauptsächlich über ihre weichen Armbewegungen und Kopfhaltungen aus. Faszinierend ist die Maskenhaftigkeit ihrer Gesichtszüge, die sich unter einem elastischen Gewebe genug abzeichnet, um die suchende Wechselhaftigkeit ihres Wesens zu bebildern. Die Gegenläufigkeit der Grausamkeit, die ihr Spektrum auch beinhaltet, tritt durch jähe Brüche zutage. Die Tanzbewegungen sind durchwegs eher ruhig und fließend. Einige rhythmische Stakkatophasen der wunderbar eigens zum Stück komponierten Musik mit zwei Zittern, einem Kontrabass und zwei Akkordeons, großartig und präzise vorgetragen, bilden ein wiederkehrendes Motiv, das den Ablauf der oft illustrativ wirkenden Gesten bricht und die tragische Klangfarbe der Tragödie findet.
07.07.2021
Petra Kraus,
Ausstellungsorganisatorin beim Deutschen Theatermuseum