In diesem Programm werden wiederentdeckte Klavierwerke der niederländischen Komponistin Rosy Wertheim ausgewählten Gedichten jüdischer Lyrikerinnen wie Gertrud Kolmar, Selma Meerbaum-Eisinger oder Tamar Radzyner gegenübergestellt.
Rosy Wertheim (1888–1948) schrieb ebenso lyrische und klangsinnliche wie vielschichtige Musik; die Gedichte der drei Autorinnen fassen diese Musik in emotionale und treffende Worte.
Selma Meerbaum-Eisinger und Getrud Kolmar überlebten die Schoa nicht, Tamar Radzyner musste durch mehrere Konzentrationslager und überlebte. Rosy Wertheim lebte in Amsterdam, Paris, Wien und New York und war eine der ersten niederländischen Komponistinnen, die international Erfolg hatte. Als die Nazis die Niederlande besetzten, versteckte sie nicht nur sich selbst, sondern auch andere, und überlebte.
In den Werken dieser starken Künstlerinnen spüren Darstellerin Sandra Kreisler und Pianistin Naoko Christ-Kato der poetischen Lebenskraft nach, die sich aus der zarten und doch zähen Zuwendung zur Kunst als Quelle und Ventil ergibt. Die Musik und die Texte zeigen auf exemplarische Weise jüdisch-weibliche Lebenswelten in volatilen Verhältnissen, wie wir sie auch heute erleben.
Die Pianistin Naoko Christ-Kato hat die zauberhaften Klavierwerke von Wertheim auch auf CD eingespielt (ab 7. November beim Label GENUIN erhältlich). Ein Großteil sind Weltersteinspielungen. Sandra Kreisler steuert ihre Wiederentdeckung der tief beeindruckenden tschechischen Lyrikerin Tamar Radzyner (1927–1991) bei, von der bisher nur ein kleines Bändchen, von ihrer Tochter im Eigenverlag herausgegeben, existiert, sowie einzelne Blätter, die gefunden wurden. Getrud Kolmar und Selma Meerbaum-Eisinger dürften dem geschätzten Publikum bekannt sein.
Es ist ein höchst stimmungsvolles Programm mit Lesung und Konzert, in dem die beiden akklamierten Künstlerinnen viele wertvolle Wieder- und Neuentdeckungen für das Publikum präsentieren.